Bettina Lugk
SPD · Germany
“Wer zukünftig öffentliche Mittel für den Spitzensport erhalten möchte, muss sich zu Transparenz, zu klaren Kontrollstrukturen und vor allen Dingen auch zum Schutz vor Gewalt und Machtmissbrauch verpflichten. Das war lange überfällig.”
“Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Athletinnen und Athleten! Liebe Trainerinnen und Trainer! Vor etwas mehr als einem Monat haben wir hier in erster Lesung den Gesetzentwurf diskutiert.”
“Genau dieses Signal schulden wir unseren Sportlerinnen und Sportlern, die in unserem Sportsystem trainieren und Leistung erbringen, nämlich dass wir ihre Rechte schützen und dass sie sich darauf verlassen können. Ein ganz anderer Punkt.”
“Ich danke ausdrücklich allen, die daran mitgewirkt haben: Athleten, Trainern, den Verbänden, der PotAS-Kommission, insbesondere unseren Kolleginnen und Kollegen im Sport- und Ehrenamtausschuss, aber natürlich auch unseren Haushältern.”
“An dieser Stelle danke ich stellvertretend Athleten Deutschland und vor allen Dingen den Sportlerinnen und Sportlern, die auf dem langen Weg zur Gründung dieses Zentrums nie nachgelassen haben. Frau Kollegin, eine Sekunde. Ich stoppe kurz die Uhr. Ich habe eine Bitte.”
“Athletinnen und Athleten brauchen Mitsprachemöglichkeit und nicht nur eine symbolische Anhörung. Zweitens. Die Spitzensport-Agentur muss unabhängig von einzelnen Verbandsinteressen sein. – Beides haben wir im Verfahren erreicht.”
The complete record
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“Ferner haben fast drei Viertel der südsudanesischen Kinder keinen Zugang zu Bildungsangeboten. Das Land befindet sich in einer kritischen Phase. Die Bestimmungen des Friedensabkommens konnten bis Februar dieses Jahres nicht umgesetzt werden. Die Transitionsphase hat sich daher um zwei weitere Jahre verlängert. Es besteht die akute Gefahr eines Rückfalls in einen großflächigen Konflikt. Neben der Unterstützung des Friedensabkommens und des Friedensprozesses bleiben zwei Punkte die Hauptaufgaben der VN-Mission, nämlich der Schutz der Zivilbevölkerung und damit auch die Bekämpfung von sexualisierter Gewalt sowie die Schaffung von Sicherheitsbedingungen für die Bereitstellung von humanitärer Hilfe. Seit 2011 ist die Bundeswehr Teil dieser Friedens- und Stabilisierungsmission.”
“Seit Ausbruch des Konflikts im Jahr 2013 wurden fast 400 000 Menschen getötet, 2,2 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht und etwa ebenso viele mussten das Land bereits verlassen. Die Hälfte, nämlich gut 1 Million Kinder, fliehen innerhalb des Landes, zum Teil auch ohne Eltern. Meine Vorrednerin ging schon auf die Situation der Frauen ein. Frauen, Kinder, ältere Menschen und Behinderte tragen die Hauptlast in diesem Konflikt. Und wir haben schon gehört, welcher Gewalt sie ausgesetzt sind: Missbrauch, Ausbeutung, Frühschwangerschaften, Kinderehen. In einem Flüchtlingsheim oder Flüchtlingslager ist eine verschlossene Tür eine Seltenheit. Und gerade deshalb bekommt das Versagen des Staates im Kampf gegen die Straflosigkeit eine ganz besondere negative Bedeutung.”
“Laut des Amtes der Vereinten Nationen, das für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten zuständig ist, werden es in diesem Jahr knapp 10 Millionen Menschen sein. Das ist die größte Hungersnot seit der Unabhängigkeit dieses Landes. Die Sicherheitslage ist weiterhin prekär und instabil. Sie erschwert auch die Bemühungen internationaler Hilfsorganisationen. Dies betrifft beispielsweise den Transport der überlebensnotwendigen Hilfsgüter innerhalb des Landes, aber auch die Sicherheit des Personals; denn es gibt einen sehr traurigen Rekord: Das Land ist weltweit einer der gefährlichsten Orte für Helferinnen und Helfer, die humanitäre Hilfe leisten wollen. 2021 sind 27 Helfer/-innen gestorben, im vergangenen Jahr waren es 9.”
“Sie verfügt maximal noch über das Allerallernötigste. Seit Russlands Aggressionskrieg gegen die Ukraine sind die Weizenpreise gerade auch im östlichen Afrika um weitere 30 Prozent gestiegen. Die erhöhten Benzinpreise verteuern den Transport und somit auch die knappen Lebensmittel. Diese Entwicklungen treffen arme Länder und Regionen wie den Südsudan besonders hart. Die wenigen verfügbaren Lebensmittel sind für viele Menschen unbezahlbar geworden. Vor einem Krankenhaus in einer südsudanesischen Stadt sitzen jeden Tag, jeden Morgen schwangere Frauen und stillende Frauen. Sie warten darauf, dass ihr Oberarmumfang gemessen wird. Bei einem Wert von unter 23 Zentimetern gelten sie als mangelernährt. Mittlerweile sind 8,9 Millionen von 12 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.”
“Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Meine allererste Rede in diesem Hause war ziemlich genau vor einem Jahr. Der eine oder andere wird sich noch daran erinnern: Mir fehlte eine Seite. Auch im vergangenen Jahr sprach ich genau zu diesem Thema. Es ging um die Fortsetzung der Beteiligung Deutschlands an der VN-Mission im Südsudan. Die Lage ist heute wie damals katastrophal, und der wertvolle Beitrag unserer Soldatinnen und Soldaten ist nach wie vor unverzichtbar. Das Land zählt zu den ärmsten Ländern weltweit. Überschwemmungen in den vergangenen Jahren haben die Situation vor Ort noch verschärft. Die ländliche Bevölkerung konnte sich früher selbst versorgen. Nun leidet sie besonders unter dem Wechsel zwischen Dürreperioden und anhaltenden Regenfällen.”
“Neben der Einbindung der zivilgesellschaftlichen Akteure ist es unsere Aufgabe, die Afrikanische Union als ebenbürtigen Partner anzuerkennen und einzubinden. Zu der Frage, ob wir sie für die Mehrheitsfindung in der UN an unserer Seite brauchen: Wir brauchen jeden einzelnen Staat an unserer Seite, wenn es beispielsweise um den Schutz der Natur oder die Bekämpfung des Klimawandels geht. Das sind Themen, die weder Russland noch China auf ihrer außenpolitischen Agenda haben. Vielen Dank. Für die AfD-Fraktion spricht jetzt Stefan Keuter.”
“Wenn man das Humboldt Forum besucht, kann man sehen, welche großartige Wirkung Ausstellungen entfalten können, wenn sie nicht aus deutscher oder europäischer Sicht erstellt worden sind, sondern gemeinsam mit afrikanischen Partnerinnen und Partnern, damit die Authentizität gegeben ist. Wir müssen aus Fehlern lernen, und wir dürfen sie nicht wiederholen. Entsprechend müssen wir die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen und da Unterstützung bieten, wo Unterstützung gefragt ist. Das gebietet der Respekt. Es braucht eine Gegenseitigkeit, die diesen Prozess mit begleitet. Aus meiner festen Überzeugung kann ich sagen: Die verschiedenen Gesellschaften Afrikas haben viel zu bieten, und wir können auch sehr viel lernen.”
“Dazu zählen der Einsatz für Frauenrechte und für Menschenrechte genauso wie Klima- und Energiepartnerschaften für den Aufbau erneuerbarer Energien, aber auch die Unterstützung beim Aufbau gerechter, demokratischer Strukturen, die Bewahrung der Kultur oder Aspekte der Teilhabe und Rechtsstaatlichkeit. Es gilt, die Zivilgesellschaften einzubinden und wahrzunehmen, welche Schwerpunktsetzungen erfolgen sollen – und das im Miteinander. Das BMZ macht ebendies genau vor; denn die Afrika-Strategie wurde in Absprache mit afrikapolitischen Akteuren entwickelt. Wie gemeinsame Projekte konkret aussehen können, kann man übrigens hier in Berlin wunderbar sehen.”
“Diese kann man gut an Plaketten erkennen, sodass auch jedem bewusst ist, wo das Geld herkommt, wer unterstützt. Daneben entsteht ein Konfuzius-Institut, das diesen teuer erkauften Einfluss auch noch um eine kulturelle Komponente ergänzen wird. Was können wir unseren Partnern in Afrika also bieten? Klar, wir müssen unsere hohen Standards und unsere werteorientierte Ausrichtung fortführen, aber wir müssen unsere Aktivitäten auch der veränderten geostrategischen Lage anpassen. Ich bin überzeugt, dass wir in Deutschland und in Europa Dinge bieten können, die Russland und auch China den Ländern nicht anbieten können.”
“Sie suchen ihren eigenen Vorteil und dies zulasten der Ökonomie, der Ökologie und auch der Rechte von Millionen von Menschen in den Ländern. Wenn es uns nicht gelingt, geraten Millionen von Menschen in eine Abhängigkeit. Das ist auch eine Frage mit Blick auf die Menschenrechtslage. Es ist unser Interesse, eine starke Partnerschaft mit afrikanischen Ländern aufzubauen, indem wir bessere Angebote unterbreiten. Ich selbst war im vergangenen Jahr auf Dienstreise in Südafrika. In diesem Land kann man wunderbar beobachten, wie beispielsweise das Engagement Chinas konkret vor Ort aussieht, wie man versucht, Macht, Abhängigkeit und Einfluss zum Eigennutz zu erlangen. Es wird in Kitas, in Kulturzentren, in Straßen und Brücken investiert, oder es erfolgen Co-Finanzierungen.”
“Diese Militärübung und das Engagement insgesamt – das hat der Kollege Jürgen Trittin bereits skizziert – sind etwas, was uns alle vermutlich mit Sorge erfüllt. Nichtdemokratisch regierte Länder wie China und Russland versuchen sehr aggressiv – man könnte schon fast sagen: im kolonialen Duktus –, Regierungen afrikanischer Länder auf ihre Seite zu ziehen. Die Demokratien dieser Welt sollten den afrikanischen Staaten eine Alternative geben und sie dadurch für eine Partnerschaft gewinnen. Denn wenn es uns nicht gelingt, wird es schwieriger werden, klare Mehrheitsverhältnisse in den Vereinten Nationen zu schaffen, eben wenn es darum geht, eine Verurteilung von Kriegsverbrechen zu erreichen. Wenn es uns nicht gelingt, dann wird die Welt ungerechter, da Staaten wie Russland, aber auch China nicht auf Augenhöhe Handel treiben wollen.”
“„Augenhöhe“ heißt gemeinsames Handeln im Sinne einer gemeinsamen Zukunft auf einer gemeinsamen Erde. Wir brauchen diese vertrauenswürdige Zusammenarbeit, und Bundeskanzler Scholz hat dies gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit einem Besuch in mehreren Ländern des Kontinents sehr sichtbar und sehr deutlich gemacht. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat noch einmal mehr gezeigt, dass die Staaten Afrikas eine Schlüsselrolle spielen, wenn es auf dem internationalen Parkett um Vereinbarungen geht. Mich persönlich hat der herzliche Empfang des russischen Außenministers Lawrow in Südafrika sehr nachdenklich gestimmt, genauso wie die Militärübung, die zusammen mit Russland und China abgehalten wurde.”
“Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die 54 Länder des afrikanischen Kontinents sind wichtige Partner nicht nur für uns in Deutschland, sondern auch für Europa. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe ist unser aller erklärtes Ziel, wenn es um die deutsche Afrika-Politik geht. Es ist aber auch der Leitgedanke der europäischen Afrika-Strategie. Genau diesem Leitgedanken folgt die im Januar vorgestellte Afrika-Strategie des BMZ. Man kann also sehen: Die Regierungsfraktionen haben sich bereits auf den Weg gemacht. Diese Augenhöhe bedeutet, dass wir nicht mehr einfach nur ohne die Akteure, das heißt ohne die souveränen Staaten Afrikas, über Afrika, also über ihre Heimat, sprechen oder Projekte verwirklichen. Und weil diese Partnerschaft auf Augenhöhe so selten stattgefunden hat, muss sie jetzt konsequenter verfolgt werden.”
“Investitionen in eine gestaltende Außenpolitik bringen uns innen, aber auch außen voran. Die Haushaltsmittel sind in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik nachhaltig und effektiv eingesetzt. Wir hörten vorhin schon den Dank der Kollegin. Wir danken natürlich unseren Kolleginnen und Kollegen, unseren Mittlerorganisationen, die einen unverzichtbaren Beitrag leisten, dass wir für unser Land, aber auch für unsere Partnerländer ein beispielhaftes Projekt haben. Vielen Dank dafür. Vielen Dank, Frau Kollegin. – Nächster Redner ist der Kollege Matthias Moosdorf, AfD-Fraktion.”
“Perspektiven schaffen ist hier das Stichwort. Unser Anteil an der Erreichung entwicklungspolitischer Ziele besteht im Sport auch darin, Trainerinnen und Trainer, Lehrer und Sozialarbeiter weiterzubilden. Genauso schaffen Investitionen in Infrastrukturprojekte die Grundvoraussetzungen für den Zugang zu einem pädagogischen Sportangebot. Die qualitativ hochwertigen Sportprojekte, die durch die AKBP gefördert werden, fördern Bildung, Frieden, Gewaltprävention, dienen der Gleichstellung der Geschlechter und fördern die Gesundheit. Dies wiederum trägt dazu bei, dass wir friedlicher zusammenleben können in einer internationalen Gemeinschaft. Durch die ergriffenen Initiativen, die sich durch die AKBP ergeben, spielt die AKBP aktiv bei den großen Zukunftsfragen mit.”
“In ähnlicher Weise tragen auch deutsche Auslandsschulen dazu bei, Fachkräfte unter anderem für unsere heimischen Betriebe zu gewinnen, sie für unser Land zu begeistern. Anreize, nach Deutschland zu kommen, sind definitiv da, und es ist unsere Aufgabe, durch ein modernes Einwanderungsgesetz Zugangskriterien für qualifizierte Einwanderer zu lockern. Denn Fachkräftesicherung ist auch Wohlstandssicherung. Die AKBP bleibt daher auch in Zukunft eine wichtige Säule unserer Außen- und – das ist besonders wichtig – unserer Friedenspolitik. An dieser Stelle möchte ich gern noch einen kurzen Blick auf den Sport werfen. Durch die niederschwelligen Angebote im Sport gelingt es der AKBP, Kinder und Jugendliche in feste Strukturen zu binden. Sport trägt extrem wirkungsvoll dazu bei, Perspektiven und auch Lebensbedingungen zu verbessern.”
“Darum bin ich sehr, sehr dankbar, dass ich meine Stimme für die AKBP heute nutzen kann; denn es ist ebendieser Bereich, der den Weg freimacht für eine Fachkräftegewinnung, die auch noch etwas Wichtiges im Blick behält, nämlich: Zuwanderung aus dem Ausland darf nicht dafür sorgen, dass in den Herkunftsländern ein Fachkräftemangel entsteht. Institutionen wie das Goethe-Institut ermöglichen durch ihre Programme Zuwanderung von qualifizierten und vor allen Dingen auch motivierten Fachkräften, beispielsweise aus Lateinamerika. Dank der Kurse, die angeboten werden, werden sie auf das Leben und die Arbeit in Deutschland vorbereitet und erlernen bereits im Ausland die deutsche Sprache. Das befähigt sie auch, zukünftig legal zuzuwandern.”
“Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ist eines der nachhaltigsten und vor allen Dingen auch sichtbarsten Instrumente unserer Außenpolitik. Sie hilft, dass wir uns besser untereinander verstehen, und das weltweit. Dies ist gerade angesichts der aktuellen Herausforderungen wichtiger denn je, und es zeigt, dass die AKBP weiter gestärkt werden muss und über Ressortgrenzen hinaus flexibilisiert sein muss. Erst in der vergangenen Woche hat Bundesminister Heil uns vorgerechnet: Wir brauchen 7 Millionen Fachkräfte bis 2035. Auch wenn wir alle Potenziale in unserem Land zusammenbringen können, reicht es nicht, diesen Fehlbedarf zu decken.”
“Auf sieben Seiten Ihrer beiden Anträge sprechen Sie ausschließlich von den Olympischen Spielen. Was ist denn mit den Paralympischen Spielen? Wollen Sie die nicht nach Deutschland holen? Aus meiner festen Überzeugung – und ich gehe davon aus, das sieht die Mehrheit des Hauses auch so – verdienen Sportlerinnen und Sportler mit einer Behinderung die gleiche Aufmerksamkeit, den gleichen Respekt wie jene Sportler ohne Behinderung. Vielen Dank. Jens Lehmann hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion.”
“Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das nicht ganz ohne öffentliche Investitionen gehen würde. Gerade deshalb ist es in einer Demokratie wichtig, dass wir erst diskutieren und streiten, bevor wir uns auf den Weg zu einer Olympiabewerbung machen. Bürgerinnen und Bürger müssen genauso gehört werden wie Athletenvertreterinnen und ‑vertreter, die Städte, die als Veranstaltungsorte infrage kommen, oder auch die Spitzenverbände. Wenn, wie gefordert, das Innenministerium gemeinsam mit dem DOSB im Alleingang eine Bewerbung auf den Weg bringen würde, wäre das aus meiner Überzeugung nicht mehr zeitgemäß. Deshalb ist ein ergebnisoffenes Vorgehen, das vom DOSB vorgeschlagen wird, der richtige Weg. Wir lehnen daher die Anträge folglich ab. Erlauben Sie mir noch eine letzte Bemerkung.”
“Andererseits verpflichtet uns gerade auch unsere demokratische Überzeugung zu einem sorgsamen Abwägen. Olympia muss ein gemeinschaftliches Projekt sein, ein gemeinschaftliches Vorhaben, hinter dem eben nicht nur wir Sportpolitikerinnen und Sportpolitiker oder der organisierte Sport stehen, sondern die Menschen in diesem Land. Natürlich haben wir in diesem Land alles, was es als Grundlage braucht, um ein erfolgreiches Sportfest auszurichten: von Sportstätten über die Infrastruktur hin zu Unterbringungsmöglichkeiten. Dies haben viele Städte und Gemeinden in Deutschland. Wir könnten mal wieder Spiele erfolgreich durchführen, und das, ohne massiv in Stadien investieren zu müssen, deren Nachnutzung weder ökologisch nachhaltig noch ökonomisch nachhaltig wäre.”
“Was diese Verantwortung gegenüber der deutschen Geschichte für den Austragungsort Deutschland bedeutet, kann, glaube ich, ein Sowohl-als-auch der einzig logische Schluss sein: Einerseits lehren uns Geschichte wie Gegenwart, dass Olympische und Paralympische Spiele nicht in Autokratien oder Diktaturen stattfinden dürfen. Denn die Hoffnung, dass durch die Ausrichtung von Spielen ein Wandel und ein Mehr an Menschenrechten in den Staaten erreicht werden können, war 1936 genauso naiv, wie sie es heute ist. Deshalb müssen wir bereit sein, Spiele selbst auszurichten, auch aus Respekt vor Athletinnen und Athleten, vor dem Publikum und vor denen, die von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Denn Menschenrechte dürfen nicht zum Spielball sportpolitischer Propaganda werden.”
“Sie argumentieren auf den sieben Seiten Ihrer beiden Anträge, dass Deutschland endlich wieder an der Reihe sei, Olympische Spiele auszurichten, weil wir im historischen Vergleich viel weniger Spiele ausgerichtet hätten als beispielsweise andere Industrienationen. Wenn Sie aber genau auf diese deutsche Olympiageschichte schauen, wieso fällt es Ihnen dann eigentlich so schwer, Deutschlands erste Olympische Spiele als „Nazispiele von 1936“ zu bezeichnen? Die Spiele von 1972 in München hingegen erwähnen Sie. Aber dass dort elf israelische Sportler und ein Polizist ums Leben gekommen sind, lassen Sie ebenso unter den Tisch fallen. Dabei gehört genau dieses Attentat zur deutschen Olympiageschichte und geht mit einer großen Verantwortung unsererseits einher.”
“Wenn wir die Werte der olympischen und paralympischen Bewegung wichtig finden, dann müssen wir auch bereit sein, diese Spiele bei uns auszurichten, uns auf den Weg zu einem Bewerbungsverfahren zu machen, und das mit der Unterstützung der Menschen in diesem Land. Die Spiele von 1936 in Berlin jähren sich in einigen Jahren zum 100. Mal. 2036 wird gleichzeitig die nächste Möglichkeit für Deutschland sein, sich um Olympische und Paralympische Sommerspiele zu bewerben. Sollte es am Ende des vom DOSB angestrebten Prozesses tatsächlich eine Bewerbung für dieses Jahr 2036 geben, ist dies eine große Chance, die allerdings auch mit einer großen Verantwortung einhergeht. Der antragstellenden Fraktion scheint dieser historische Zusammenhang nicht wirklich bewusst zu sein; denn sie erwähnt diesen nicht mit einem Wort.”
“Zunächst soll unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sondiert werden, ob Deutschland eigentlich für Olympische Spiele bereit ist. Diese Bereitschaft meint nicht nur, dass wir eine Infrastruktur haben und Sportstätten, sondern diese Bereitschaft soll auch den Willen der Bevölkerung widerspiegeln, diese Ausrichtung mitzutragen und darin eine Chance zu sehen. Der DOSB verspricht allen Beteiligten, diesen Prozess ergebnisoffen zu führen. Das ist ein kluges Vorgehen, und ich verlasse mich darauf, dass der DOSB hier unvoreingenommen auftreten wird. Die Kritik an den Winterspielen in Beijing, aber auch an anderen Sportgroßereignissen, die in autoritär regierten Staaten stattfinden, nimmt demokratische Länder wie Deutschland in eine besondere Pflicht.”
“Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Olympische und Paralympische Spiele, das ist das Thema der jetzt kommenden Debatte. Olympische und Paralympische Spiele sind große Sportfeste. Sie zeigen, dass der Sport eine herausgehobene gesellschaftliche Bedeutung hat, weil er eben viele Menschen aus aller Welt verbindet; sie in ihrer bunten Vielfalt zusammenbringt. Diese Spiele stehen für ein friedliches Miteinander, für Toleranz, für Offenheit und Respekt. Was die AfD-Fraktion in den vorliegenden Anträgen fordert – nämlich eine deutsche Olympiabewerbung zum nächstmöglichen Zeitpunkt –, ist nichts Neues. Schon vor Wochen hat der Deutsche Olympische Sportbund angekündigt, zu seiner Mitgliederversammlung, die am kommenden Samstag stattfinden wird, eine entsprechende Beschlussempfehlung auszusprechen.”
“Sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen, Sport macht uns stärker. Sport bringt uns zusammen. Gerade in Zeiten wie diesen können wir nicht darauf verzichten, den gesellschaftlichen, den gesundheitlichen und den jugendpolitischen Wert des Sports zu schätzen. Lassen Sie uns gemeinsam mit unseren Partnern im Bundesinnenministerium, in den Ländern, in den Kommunen, in den Sportverbänden und Vereinen systematisch und zielorientiert und nicht schnell und kopflos arbeiten, damit der Sport in Deutschland spitze bleibt. Vielen Dank. Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun der Kollege Jens Lehmann das Wort.”
“Und wer schwimmen gelernt hat, kann später Leben retten, sein eigenes, aber vielleicht auch das anderer Menschen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und andere Vereine der Wasserrettung haben seit Beginn der Pandemie mit Problemen zu kämpfen gehabt, angehende Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer auszubilden. Dies trifft gleichzeitig auf den Umstand, dass viele Kinder nicht an Schwimmkursen teilnehmen konnten, sodass pandemiebedingt ein Rückstand entstanden ist, der aufgeholt werden muss. Darum müssen wir jetzt zusammen mit den Kommunen und den Schwimmvereinen sicherstellen, dass im Zuge der Energiekrise zumindest die Schwimmbäder geöffnet bleiben. Denn wir müssen darauf bestehen, dass jedes Kind in Deutschland, ob mit oder ohne Behinderung, Zugang zu einem Schwimmkurs hat.”
“Gerade die Schulen bieten eine Möglichkeit, Kinder und Jugendliche mit Sportarten in Kontakt zu bringen, die in den Medien leider weniger häufig präsent sind. Hier ist das Ganztagsschulkonzept, das in vielen Ländern verfolgt wird, eine Chance. So können wir in allen olympischen und nichtolympischen Sportarten eine breitere Basis aufbauen, gerade im Jugendbereich. In diesem Zusammenhang ist mir eine Sache noch ganz besonders wichtig. Neben den vielen wunderbaren Sportarten, die man ausüben und ausprobieren kann, gibt es eine Fähigkeit, die aus meiner Sicht alle Kinder erlernen müssen: Das ist das Schwimmen. Wer als Kind Schwimmen lernt, erfährt, dass Motivation, Fleiß und Ausdauer sich lohnen, dass es etwas bringt, an Dingen dranzubleiben, auch wenn es manchmal schwierig ist.”
“Die Kollegen sind bereits auf das Programm „ReStart“ im Sport eingegangen, mit dem wir die Vereine bei der Wiederaufnahme von Aktivitäten nach zwei Jahren Coronapandemie aktiv unterstützen wollen; denn es muss wieder attraktiver sein, Kinder und Jugendliche in den Vereinen zu trainieren – klar, weil uns die sportliche Betätigung der Jüngeren am Herzen liegt; aber auch, weil hier Inklusion und Integration gelebt werden und wir so auch neue Talente entdecken können, die in absehbarer Zeit die paralympische oder olympische Weltspitze erreichen können. Auch in den Schulen müssen wir Kinder und Jugendliche wieder mehr in Bewegung bringen, auch durch eine intensivere Zusammenarbeit der Schulen, Sportvereine und Verbände.”
“Wenn unsere Spitzensportlerinnen und Spitzensportler erfolgreich sind, dann motiviert das unseren Nachwuchs, ebenfalls aktiv zu werden. Und je mehr Kinder und Jugendliche Sport treiben, desto besser steht es um die Zukunft unserer Leistungskader in 5, 10 oder 15 Jahren. Die Breite braucht die Spitze, und der Spitzensport braucht den Breitensport. Deshalb arbeiten wir daran, auch in der Breite bessere Voraussetzungen zu schaffen.”
“Liebe Kolleginnen und Kollegen, die European Championships haben weit über die Stadien und die Wettkampfstätten hinaus gewirkt. 27,1 Millionen Menschen haben sich allein in der ARD die Wettkämpfe angeschaut. Athletinnen wie Malaika Mihambo und Gina Lückenkemper sind für noch mehr Menschen ein Vorbild geworden, besonders für Kinder und Jugendliche, die jetzt davon träumen, an großen Sportwettkämpfen teilnehmen zu können und vielleicht sogar eines Tages auf einem Treppchen stehen zu dürfen. Ein sportbegeisterter Vater erzählte mir kürzlich in München von genau dieser Vorbildfunktion des Spitzensportes. Nachdem die ganze Familie Leichtathletik im Fernsehen geschaut hatte, übte der Sohn gleich: Er sprang mit Anlauf und vollem Karacho aufs Sofa. So entsteht eine Dynamik, in der Leistungs- und Spitzensport zusammenspielen.”
“Doch es gibt auch viel Gutes, auf das wir heute stolz sein können. Im nächsten Jahr begrüßen wir hier in Berlin eines der größten Sportfeste der Welt: die Special Olympics World Games mit 7 000 Athletinnen und Athleten, 20 000 Volunteers und internationalen Delegationen, die wir in 216 „Host Towns“ empfangen werden. Schon in diesem Jahr haben wir mit den European Championships in München eine Sportveranstaltung von internationaler Bedeutung zu Gast gehabt: neun Sportarten mit 4 000 Athletinnen und Athleten aus mehr als 50 Ländern. 1,4 Millionen Sportbegeisterte waren im Publikum, in den Stadien und erzeugten eine extrem motivierende Atmosphäre. Ich finde, das ist eine großartige Bilanz, die sich sehen lassen kann.”
“Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Opposition hat uns in ihren Anträgen deutlich skizziert, welche Probleme sie momentan in der Sportpolitik dieses Landes sieht. Während Sie noch Anträge schreiben, sind wir längst bei der Lösung der Probleme; die Aussage dürfte Ihnen bereits bekannt vorkommen. Natürlich gibt es Herausforderungen, die noch nicht gelöst sind; denn wir leben offenkundig in schwierigen Zeiten. Zwischen dem Beschluss des Koalitionsvertrages und dem heutigen Plenarbeitrag hat sich vieles verändert, und klar: Wir wollen sicherlich an der einen oder anderen Stelle weiter sein, stellen uns aber der Realität. Der Kollege Wollmann und der Kollege Krämer haben bereits ausgeführt, wie es sich mit dem Bewegungsgipfel verhält. Hier setzen wir etwas um, und zwar gemeinsam mit der Bundesregierung und den Ländern.”
“Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch ich möchte hiermit allen Soldatinnen und Soldaten, aber auch den humanitären Helferinnen und Helfern für ihren Einsatz für die Menschen vor Ort danken. Ich bitte Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Stabilisierung und zur friedlichen Weiterentwicklung des Südsudans beizutragen und dem Antrag der Bundesregierung zuzustimmen. Vielen Dank. Als Nächster hat Gerold Otten das Wort für die AfD-Fraktion.”
“Die Truppenobergrenze soll weiterhin bei 50 Soldatinnen und Soldaten liegen. Damit ist das eine unserer kleineren Missionen. Aber unsere bestens ausgebildeten deutschen Militärbeobachterinnen und Militärbeobachter tragen gemeinsam mit den internationalen Partnern ganz wesentlich zum Lagebild von UNMISS bei. Der deutsche Beitrag erhält vor Ort, aber auch international hohe Anerkennung; denn wir tragen zur Erfüllung von vier Aufgaben bei: Wir übernehmen Führungsaufgaben, Verbindungsaufgaben, Beratungsaufgaben und Beobachtungsaufgaben. Und: Die Bundeswehr kann in Fragen technischer Ausrüstung und bei der Ausbildung truppenstellender Nationen unterstützend tätig werden. Auch dies ist ein Aspekt, der für die Stabilisierung im Land unabdingbar ist.”
“Die Ernährungsunsicherheit hat den schlimmsten Stand seit der Unabhängigkeit erreicht. Mahlzeiten müssen übersprungen werden, viele haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und ärztliche Behandlungen gibt es nur im Extremfall – und manchmal selbst dann nicht. Dieses Land bleibt also auf intensive internationale Unterstützung angewiesen, auch um eine noch schlimmere Krise zu vermeiden. Unsere Mission zielt darauf ab, die notleidende Bevölkerung zu schützen, humanitäre Hilfe abzusichern, den Friedensprozess zu unterstützen und, wie schon erwähnt, die Wahlen im nächsten Jahr vorzubereiten. Wir beteiligen uns seit 2011 an diesem Einsatz. Aktuell sind zwölf Soldatinnen und Soldaten im Land vertreten, vier davon im Hauptquartier in Juba eingesetzt, acht an verschiedenen Standorten im Land.”
“Doch dieser Jubel ist sehr schnell verflogen; denn bis heute ist das Land nicht zur Ruhe gekommen. Krieg und Gewalt kennzeichnen den längsten Teil der noch jungen und kurzen Geschichte dieser Republik. Insgesamt 2 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben worden, und sogar 2,3 Millionen südsudanesische Flüchtlinge leben in den Nachbarländern. Das ist die größte Flüchtlingskrise innerhalb Afrikas. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Südsudan steht auf Platz fünf der vom International Rescue Committee im Dezember veröffentlichten Liste der schlimmsten humanitären Krisen 2022. Und die Lage hat sich weiter verschärft. Zum einen sind da die Auswirkungen der Coronapandemie zu nennen, zum anderen die verheerenden Überschwemmungen, die Häuser, Vieh und Ernten mitgerissen haben.”
“Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Ich darf in meiner ersten Rede über ein Land reden, das für die Unabhängigkeit gekämpft hat, sich nach Frieden sehnt und dabei unsere Unterstützung braucht. Als Südsudan 2011 unabhängig wurde, haben die Menschen dies gefeiert. Fast 99 Prozent der südsudanesischen Bevölkerung hatten für die Abkopplung vom Norden gestimmt. – Jetzt ist der Worst Case eingetreten. Ich habe eine Seite meiner Rede vergessen. Jetzt läuft auch die Redezeit weiter, und es geht in aller Ruhe weiter. Vielen Dank für Ihr Verständnis, Frau Präsidentin. – 99 Prozent der südsudanesischen Bevölkerung hatten für die Abkopplung vom Norden gestimmt. Nur fünf Tage nach dieser Unabhängigkeitserklärung wurde das jüngste Land der Welt das 193. Mitglied der Vereinten Nationen – ein historischer Moment.”