Nina Stahr
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN · Germany
“Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Ich muss leider etwas Wasser in den Wein der Union gießen; denn die Kernfusion wird kurz- und mittelfristig leider keinen Beitrag zur Energiewende leisten können. Sie ist keine Allzweckwaffe gegen die Klimakrise.”
“Mit der SPRIND, der Bundesagentur für Sprunginnovationen, fördern wir jetzt schon einen wichtigen Akteur, der unter anderem im Bereich der Kernfusion aktiv ist, aber eben auch bei der Erforschung von neuen, wirksameren Windkraftanlagen. Außerdem fördert das BMBF gezielt die Fusionsforschung. Wir sind also längst auf dem richtigen Weg.”
“Denn unsere Demokratie würde nicht funktionieren ohne die Menschen, die hier tagtäglich dafür arbeiten. Daran schließt meine zweite Anmerkung an, und zwar zu unserer Demokratie. Manche haben mich gefragt, ob ich mit dieser Wahlwiederholung hadere. Für mich ist klar: Der Schutz unserer Demokratie muss oberste Priorität haben.”
“So sieht seriöse Politik aus, liebe Union. Weil das heute meine letzte Rede hier im Bundestag ist, seien mir noch zwei persönliche Anmerkungen erlaubt. – Wenn Sie sich darüber freuen, habe ich einiges richtig gemacht. Insofern klatschen Sie ruhig weiter.”
“Gleichzeitig brauchen wir einen differenzierten Blick auf die Möglichkeiten der Kernfusion. Natürlich sage ich Ihnen als Forschungspolitikerin, dass wir die Fusionsforschung nicht vernachlässigen dürfen, und zwar nicht nur, weil sie langfristig womöglich Potenziale als eine zusätzliche und unabhängige Energiequelle bietet, sondern auch, w…”
“Es ist unser aller Job, draußen auf der Straße, in den Vereinen, in der Schule, am Arbeitsplatz, aber eben auch hier im Haus, jeden einzelnen Tag für unsere Demokratie einzustehen.”
The complete record
Every one of 227 lines we hold for Nina Stahr, in date order, each linked to its source. Free to read, in full, without an account. Page 5 of 5.
“Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir reden heute viel über Chancen: Chancengleichheit, Bildungschancen, Chancengerechtigkeit. Aber was bedeuten gleiche Bildungschancen eigentlich? Schauen wir uns das einmal ganz konkret an. 100 Kinder kommen auf die Welt, gehen in die Kita, gehen zur Grundschule. Alle haben die gleichen Chancen; denn sie haben ja den gleichen Unterricht, die gleichen Lehrkräfte, die gleichen Arbeitsblätter. Trotzdem: Am Ende der Grundschulzeit haben Kinder aus Akademikerhaushalten knapp dreimal so häufig die Gymnasialempfehlung wie Kinder aus Nichtakademikerhaushalten. Chancengleichheit? Offensichtlich nicht.”
“Und geben Sie den Menschen, die seit zwei Jahren isoliert sind, endlich ihre Freiheit zurück! Vielen Dank. Nun erhält das Wort Dieter Janecek für die Gruppe „Baehrens, Janecek und andere“.”
“Aber ich werbe nun aus voller Überzeugung für diesen Kompromiss, weil dieser Weg einen entscheidenden Beitrag dazu leisten kann, das Infektionsgeschehen zu verringern. Deshalb schaue ich insbesondere in Richtung der CDU/CSU-Fraktion. Warum? Weil dieser Kompromiss genau das beinhaltet, was Sie fordern. Das hat Frau Piechotta sehr genau ausgeführt. Insofern bitte ich Sie inständig: Denken Sie an Kinder wie Lara! Denken Sie an die Kinder, die alle massive Einschränkungen hinnehmen mussten in den letzten zwei Jahren. Lassen Sie das im Herbst nicht noch einmal zu! Lassen Sie bitte – für diese Familien – Ihre Parteispielchen beiseite! Lassen Sie uns zum Wohle der Menschen in diesem Land abstimmen! Ich bitte Sie inständig: Stimmen Sie diesem guten Kompromiss zu! Helfen Sie, das Infektionsgeschehen zu reduzieren!”
“Ich bin mir sicher: Wenn wir alle gemeinsam versuchen, das hinzubekommen, dann werden wir auch die Ämter entsprechend ausstatten können, diese Beratungspflicht und dann die Impfpflicht – wenn sie denn zieht, auch bei den Jüngeren – gut gemeinsam umzusetzen. Ich freue mich auf Ihre Unterstützung dabei. Ich komme zurück zu meiner Rede. Es ist unsere Verantwortung, im Blick zu haben, dass auch Lara und ihre Familie ein Recht auf Freiheit haben. Deshalb ist es gut, dass wir heute über einen Kompromiss diskutieren, der einen Weg eröffnet, vorbereitet in den Herbst zu gehen, und damit besonders die zu schützen, die es brauchen. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich eigentlich für eine Impfpflicht ab 18 eingesetzt habe, gerade mit Blick auf die besonders gefährdeten Menschen.”
“Ich muss aber sagen: Wir haben eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit mit den Linken in Berlin. – Deswegen: Ich finde beide Konstellationen sehr konstruktiv. Und ich kann Ihnen sagen: Wir haben innerhalb der letzten fünf Jahre in der rot-rot-grünen Koalition in Berlin massive Fortschritte gemacht. Angesichts dessen, was vorher die Große Koalition – tut mir leid, liebe Kolleginnen und Kollegen –, also Schwarz-Rot, in Berlin runtergerockt hat – ja, „Sparen, bis es quietscht“ –, haben wir extrem viel wieder aufbauen können. Ja, wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Aber wir haben sehr viel erreicht. Ich höre bei Ihnen heraus: Sie wollen das als FDP auch im Berliner Abgeordnetenhaus unterstützen. Das kann ich nur befürworten. Herzlichen Dank dafür!”
“Wie soll das eigentlich technisch und praktisch umgesetzt werden? Ich frage das deshalb, weil Ihr Wahlkreis ja in Berlin ist, und Berlin ist ja dafür bekannt, dass es besonders lange dauert, wenn man administrative Dinge erledigen will, einen Personalausweis anfordern will, sich ummelden will oder etwas anmelden will; teilweise dauert das ja Wochen und Monate hier in Berlin. Wie wollen Sie dafür sorgen, dass das tatsächlich in Berlin auch umgesetzt werden kann? Lieber Herr Kollege, vielen Dank für diese Zwischenfrage. – Ich weiß nicht, ob Sie das wissen: Ich war, bevor ich hier in den Bundestag gekommen bin, Berliner Landesvorsitzende der Grünen. Ich durfte in dieser Funktion auch Koalitionsgespräche mit der FDP in Berlin führen. Das war leider nicht erfolgreich.”
“Sie ist eine Kämpferin – genauso ihre Eltern –, und doch ist ihre Gesundheit weiterhin fragil. Wir wissen nicht, was passiert, wenn sie jetzt Corona bekommt. Für Lara und ihre Geschwister und für alle anderen Schattenfamilien gilt: kein Kindergeburtstag, kein Schwimmbad, und die Eltern sitzen abends allein statt mit Freundinnen und Freunden in der Kneipe – und das seit mehr als zwei Jahren. Es ist unsere Verantwortung, im Blick zu haben, dass auch für Lara und ihre Familie das Recht auf Freiheit gilt. Frau Kollegin, erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der FDP-Fraktion? Ja. Bitte schön. Frau Kollegin, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Die Frage ist ja, wie Ihr Vorschlag eigentlich administriert werden soll. Sie schlagen eine Beratungspflicht vor, Sie schlagen eine Impfpflicht vor.”
“Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, es stimmt, wir treten in eine neue Phase der Pandemie ein. Endlich, endlich wieder Kindergeburtstag, ins Schwimmbad gehen, abends mit Freundinnen und Freunden in die Kneipe. Ich gönne es von Herzen jedem, der langsam wieder in diese Normalität zurückkommt. Das dürfen wir auch genießen. Aber wir dürfen darüber nicht die vergessen, für die diese Normalität noch meilenweit entfernt ist. Stellvertretend dafür möchte ich heute von einem Mädchen hier aus Berlin berichten; ich nenne sie jetzt mal Lara. Lara wird in wenigen Tagen – genau wie ihre Zwillingsschwester – acht Jahre alt. Sie ist mit Spina bifida, also mit einem offenen Rücken, auf die Welt gekommen. Sie hat entgegen allen ärztlichen Voraussagen doch Laufen gelernt.”
“Und ganz ehrlich: Die schmalen Forderungen der Union, die Sie in Ihrem Antrag hier vorlegen, erscheinen mir im Vergleich dazu wirklich nicht ausreichend, wenn man die Bedürfnisse von Alleinerziehenden in den Blick nehmen möchte. Ich freue mich trotzdem sehr, dass die CDU/CSU jetzt auch endlich sieht: „Beim Thema Alleinerziehende muss mehr passieren“, und freue mich sehr auf Ihre Unterstützung bei unseren Vorhaben, die wir als Ampelkoalition durchbringen werden. Vielen Dank. Vielen Dank, Frau Kollegin Stahr. – Liebe Kollegen aus der Union, manchmal kommen einem Reden ziemlich lange vor, wenn sie viel Inhalt haben. Nächste Rednerin ist die Kollegin Gökay Akbulut, Fraktion Die Linke.”
“Wir stellen Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt her, indem wir uns für Entgeltgleichheit einsetzen und das Entgelttransparenzgesetz weiterentwickeln. Und nicht zuletzt leistet der Ausbau einer qualitativ hochwertigen Kita und Ganztagsbildung einen wesentlichen Beitrag für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ganz besonders für Frauen und Alleinerziehende. Mit dem Entlastungspaket helfen wir auch jetzt schon ganz konkret und ganz schnell: Heizkostenzuschuss, Einmalzahlung für Transferleistungsbeziehende, 100 Euro pro Kind, Vergünstigung bei Kraftstoffen und beim ÖPNV. All das sind Maßnahmen, von denen natürlich auch Alleinerziehende in besonderem Maß profitieren.”
“Gerade die Entbürokratisierung und die automatische Auszahlung werden Alleinerziehenden zugutekommen; denn die haben dann wertvolle Zeit für ihre Kinder, statt sie mit Anträgen zu verbringen. Gerade Alleinerziehende, die am stärksten von Armut betroffen sind, entlasten wir mit einer Steuergutschrift. Die Partnermonate beim Basiselterngeld werden wir um einen Monat erhöhen, und natürlich gilt das auch für Alleinerziehende. Mit der Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen unterstützen wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Natürlich holen wir besonders Alleinerziehende aus der Armut, indem wir den Mindestlohn erhöhen und die Brückenteilzeit für mehr Menschen zugänglich machen.”
“Denn wir wissen, dass Armut sich weitervererbt. Und damit muss endlich Schluss sein! Schluss sein muss auch damit, dass Frauen nach wie vor immer noch massiv benachteiligt sind. Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen. Obwohl alleinerziehende Mütter häufiger einer Beschäftigung nachgehen und häufiger in Vollzeit arbeiten, leben sie dennoch so häufig in Armut. 40 Prozent der Alleinerziehenden im SGB-II-Bezug üben eine Erwerbstätigkeit aus, und trotzdem müssen sie aufstocken. Arm trotz Arbeit – auch damit muss endlich Schluss sein! Deshalb ist es gut, dass die Ampelkoalition jetzt endlich anpackt. Frau Hostert hat das eben auch schon aufgegriffen: Mit der Kindergrundsicherung werden wir einen Paradigmenwechsel einleiten und Kinderarmut endlich konsequent bekämpfen.”
“Das ist eine untragbare Situation, das ist eine ungerechte Situation, und das ist eine Situation, von der wir alle, aber besonders Alleinerziehende und ihre Kinder, in den letzten Jahren erwartet hätten, dass sich daran etwas ändert. Stattdessen: 16 Jahre Stillstand. Und jetzt, Frau Bär, kommen Sie um die Ecke, und Ihnen fällt ein, dass Sie auch mal was für Alleinerziehende tun wollen – nach 16 Jahren. 16 Jahre, in denen es Ihr Job gewesen wäre, die Situation von Alleinerziehenden zu verbessern. 16 Jahre wurden verschwendet! Da können Sie jetzt noch so sehr meckern. 16 Jahre lang haben die Eltern darauf gehofft, dass endlich was passiert, und stattdessen wurden Kinder ihrer Chancen beraubt, Frau Bär. Davor können Sie jetzt die Augen verschließen, aber das ist so. 16 Jahre lang haben Sie die Kinder ihrer Chancen beraubt.”
“Seit mehr als zwei Jahren wuppen sie zusätzlich noch Homeschooling und Kinderbetreuung parallel zum Job – und wieder: Ganz alleine! All diesen Eltern gilt zuallererst mein großer Dank für die wichtige Aufgabe, die sie für unsere Gesellschaft übernehmen. Deshalb haben Alleinerziehende die beste Unterstützung verdient, die wir ihnen geben können. Wie sehr wir als Gesellschaft darauf angewiesen sind, dass Menschen Kinder großziehen, das muss ich hier nicht erklären. Dass wir in einer immer älter werdenden Gesellschaft mehr Kinder brauchen, das wissen wir alle. Und doch: Ausgerechnet Kinder zu haben, gehört zu den größten Armutsrisiken. Und die Gruppe, die das allergrößte Armutsrisiko hat, sind die Alleinerziehenden. Sie sind bis zu fünfmal häufiger von Armut betroffen als Paarfamilien.”
“Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Alleinerziehend? Das wünsche ich mir auch manchmal. Da hast du ja jedes zweite Wochenende frei.“ – „Alleinerziehend? Die ist bestimmt selber schuld.“ – Meine Damen und Herren, über Alleinerziehende gibt es eine Menge Vorurteile. Und ich kann Ihnen sagen: Die meisten davon, die allermeisten, sind einfach nicht wahr. Was aber stimmt: Alleinerziehende leisten einen unschätzbar wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie halten Hände, sie trocknen Tränen, machen Essen, lesen vor, putzen kleine Zähne und sorgen dafür, dass die Zahnfee Bescheid weiß, wenn die Zähne ausfallen. Sie lachen mit ihren Kindern, und sie weinen mit ihren Kindern. Sie kleben Pflaster auf blutige Knie, sie helfen beim Aufstehen und geben den Mut, wieder loszurennen. Sie waschen, putzen, kaufen ein.”
“Im Sinne der Inklusion, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Teilhabe an unserer Gesellschaft haben, im Sinne des Rechts auf Bildung und auf gewaltfreie Erziehung müssen wir mit Blick auf den Herbst jetzt alles tun, um nicht erneut so hohe Inzidenzen zu haben. Es geht mir natürlich auch um eine Entlastung des Gesundheitssystems – aber es geht mir vor allem darum, dass im nächsten Herbst alle Menschen in unserem Land wieder ihre Grundrechte wahrnehmen können. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir das nur erreichen, wenn wir eine deutlich höhere Impfquote als derzeit haben. Und deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass eine Impfpflicht für alle ab 18 das mildere Mittel im Vergleich zu den Freiheitseinschränkungen für Familien und Menschen mit Vorerkrankungen ist.”
“Die Zunahme von häuslicher Gewalt war im Lockdown extrem; aber auch in der derzeitigen Situation sind viele Eltern überfordert, und Gewalt nimmt zu. Wir diskutieren, ob wir durch eine Impfpflicht Grundrechte einschränken sollen. Aber es ist doch so: Die Grundrechte von Kindern und Eltern, die Grundrechte von Menschen mit bestimmten Erkrankungen sind seit zwei Jahren massiv eingeschränkt. Diese Situation bekommen wir nur entschärft, wenn wir die Inzidenzen insgesamt runterbekommen. Und nein, damit spreche ich nicht für einen Lockdown, sondern dafür, dass alle Erwachsenen endlich solidarisch sind mit Kindern und Jugendlichen, mit Familien und mit Menschen mit Vorerkrankungen. Grundrechte werden durch die Impfpflicht wesentlich weniger eingeschränkt als durch keine Impfpflicht – sie ist definitiv das mildere Mittel in der Abwägung.”
“Und auch die Familien, deren Kinder schon geimpft sind, leiden unter der derzeitigen Situation. Es ist richtig, dass wir die Schulen und Kitas offenhalten. Doch de facto sind viele Kinder derzeit immer wieder zu Hause, weil die Lehrkräfte und Erzieher/-innen krank oder in Quarantäne sind oder weil die Kinder selbst in Quarantäne sind. Das Recht auf Bildung ist hier massiv eingeschränkt. Und die Eltern zerreißen sich zwischen Homeschooling und Erwerbsarbeit, bis sie nicht mehr können. Und dann reduzieren die Eltern, die es sich leisten können, ihre Erwerbsarbeit. Meist bleiben die Frauen dann mehr zu Hause, und was das für die Erwerbsbiografie der Frauen und damit für ihre Rente bedeutet, muss ich wohl nicht erklären. Oder aber die Eltern können sich das nicht leisten und gehen dann erst recht auf dem Zahnfleisch.”
“Deshalb erlauben Sie mir, den Blick zu weiten und folgende Frage zu stellen: Die Grundrechte welcher Menschen sind denn seit knapp zwei Jahren permanent eingeschränkt? Menschen mit Vorerkrankungen, die sich nicht impfen lassen können oder aber, was ja viel häufiger der Fall ist, die trotz einer Impfung ein hohes Risiko eines schweren bis sogar tödlichen Krankheitsverlaufs haben. Diese Menschen sind zum Teil seit zwei Jahren isoliert – und damit massiv in ihren Grundrechten eingeschränkt. Und ich möchte auf die Familien schauen, die Familien, in denen kleine Kinder leben, die noch nicht geimpft werden können: Gerade angesichts des Risikos von Long Covid und PIMS ist es nur allzu gut nachvollziehbar, dass Eltern ihre Kinder schützen wollen. Aber sie werden zerrieben zwischen Erwerbsarbeit und Sorgearbeit.”
“Gemeinsam mit Ländern und Kommunen wollen wir auch in der Bildungspolitik eine neue Kultur der Zusammenarbeit begründen, um die Bildung in unserem Land nach vorne zu bringen. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle insbesondere bei den Kolleginnen und Kollegen von SPD und FDP für den guten Start in die neue Legislatur. Auch die Opposition möchte ich dazu einladen, dass wir nicht nur das Trennende, sondern das Gemeinsame und den Austausch miteinander suchen. Wenn nötig, hart in der Sache, aber fair im Umgang – zum Wohl der Kinder und Jugendlichen in diesem Land. Wir wünschen insbesondere Ihnen, Frau Ministerin, eine glückliche Hand und gutes Gelingen. Wir freuen uns sehr auf die gemeinsame Arbeit für eine chancengerechte Bildung. Herzlichen Dank. Das Wort hat die Kollegin Nicole Gohlke für die Fraktion Die Linke.”
“Neben Technik wollen wir auch viel stärker in Medienkompetenz investieren und gemeinsam mit den Ländern Beratungen rund um den digitalen Unterricht vom Kopf auf die Füße stellen. Frau Schön, ich habe Ihnen gut zugehört. Ich freue mich wirklich sehr, dass Sie jetzt feststellen, dass alle ihre Hausaufgaben machen werden. Wir als Koalition machen uns jetzt daran, die liegengebliebenen Hausaufgaben von Ihnen, insbesondere im digitalen Bereich, endlich umzusetzen. Als Lehrerin weiß ich: Gute Bildung lebt von Kooperation. Sie braucht tragfähige Beziehungen, ein respektvolles Miteinander und den Mut, Konflikte offen, ehrlich und lösungsorientiert auszutragen. Das gilt im Klassenzimmer wie in der Politik.”
“Mit dem Programm „Startchancen“ sorgen wir da für Bildungsgerechtigkeit, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Mehr als 4 000 Schulen bauen wir zu modernen, klimagerechten und barrierefreien Schulen mit einer zeitgemäßen Lernumgebung aus. Wir schaffen freie Chancenbudgets, fördern Schulentwicklung und unterstützen bis zu 8 000 Schulen mit zusätzlichen Stellen für Schulsozialarbeit. Mit dieser gezielten Unterstützung können wir wirklich etwas verändern. Mit dem Digitalpakt 2.0 werden wir unsere Schulen fit für das Lernen in der digitalen Welt machen. Wir bauen Bürokratie ab und sorgen dafür, dass das Geld schnell und direkt an den Schulen ankommt. Klar ist dabei: Der neue Digitalpakt muss besser gestrickt sein und weitergedacht werden.”
“Ich bin selbst Mutter von drei Kindern, und ich weiß, wie wichtig gute und zuverlässige Betreuung ist. Darauf müssen sich alle Familien verlassen können. Deshalb werden wir den Rechtsanspruch auf Ganztagsbildung im Grundschulalter umsetzen und dabei die Qualität nach vorne stellen. Schon vor dem Jahreswechsel haben wir dafür gesorgt, dass Kommunen das Geld für den Ausbau auch im neuen Jahr verwenden können, und damit für Planungssicherheit gesorgt. Klar ist aber auch: Kitas und Schulen sind in erster Linie keine Betreuungs-, sondern Bildungseinrichtungen. Deshalb müssen sie vom Kind aus gedacht werden und den Bedürfnissen von Kindern gerecht werden. Dafür stehen wir in dieser Koalition. Gerechte Chancen in der Schule bedeuten auch: weg von der Gießkanne und gezielt dort unterstützen, wo es wirklich nötig ist.”
“Der Koalitionsvertrag ist getragen von der gemeinsamen Überzeugung, dass nicht mehr Postleitzahl oder Job der Eltern, sondern das eigene Engagement über den Bildungserfolg entscheiden sollen. Er ist getragen von der Überzeugung, dass gerechte Bildungschancen nicht vom Himmel fallen, sondern das Ergebnis politischen Handelns sind und dass Aufstieg durch Bildung keine Phrase sein darf, sondern jeden Tag aktiv ermöglicht werden muss und dass dieses Ermöglichen unsere Verantwortung hier ist, und der werden wir uns stellen. Gemeinsam wollen wir die Weichen für ein Jahrzehnt des Aufbruchs und der Erneuerung für den sozialen, ökologischen und digitalen Fortschritt stellen. Dieser Aufbruch – davon bin ich überzeugt – beginnt in den Kitas, Schulen und Hochschulen.”
“Ich möchte explizit an dieser Stelle allen Familien danken, den Eltern, die neben Homeoffice auch Kinderbetreuung und Homeschooling gewuppt haben, den Lehrerinnen und Lehrern, die alles getan haben, um diese Zeit für ihre Schüler/-innen so gut wie möglich zu gestalten. Aber vor allem den Kindern und Jugendlichen, die so solidarisch waren und auf so vieles verzichtet haben. Es ist Zeit, dass wir ihnen endlich was zurückgeben. Ich bin froh, dass wir das als Koalition tun werden, nicht nur mit Blick auf die Pandemie, wo für uns ganz klar ist, dass Kinder und Jugendliche in Zukunft so wenig wie möglich eingeschränkt werden dürfen, sondern auch mit Blick darauf, dass endlich alle Kinder gute Startchancen bekommen.”
“Das merken diese Kinder und Jugendlichen, und das nimmt ihnen die Chance auf eine gute Zukunft. Das kann und das will ich so nicht hinnehmen. Deswegen bin ich sehr, sehr froh, dass wir als Ampelkoalition ganz klar sagen: Bildung darf nicht vom Elternhaus abhängen. Kinder müssen alle die beste Bildung und damit die besten Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben. Die letzten zwei Jahre im Ausnahmezustand der Pandemie haben die Ungerechtigkeiten zwischen Kindern massiv verschärft. Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir endlich die Bedürfnisse von Kindern wieder in den Mittelpunkt stellen.”
“Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich sehr, heute hier zum Thema Bildungspolitik meine erste Rede halten zu dürfen. Denn was wir alle wissen, dass der Bildungserfolg von Kindern nach wie vor viel zu stark vom Elternhaus abhängt, das habe ich hautnah erfahren in fast 20 Jahren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – bei Kindern, deren Eltern ihnen nicht bei den Schulaufgaben helfen konnten, bei Kindern, die in Wohngruppen gelebt haben, weil ihre Eltern mit dem Familienleben überfordert waren, und als Lehrerin in einer Schule in Berlin-Neukölln. Was ich da immer wieder erlebt habe, das waren Kinder und Jugendliche, die großartige Talente hatten, aber die trotzdem von der Gesellschaft längst abgeschrieben waren.”